„Autos sind fahrbare Skulpturen“

Felix Krämer ist der neue Chef des Kunstpalastes in Düsseldorf und einer der besten Kunst-Kuratoren in Europa. In einem Gespräch mit der Journalistin Uschka Pitroff vom Manager Magazin erklärt er warum auch Oldtimer Kunst sind:

„Autos sind fahrbare Skulpturen, die vibrieren, Geräusche machen und eine Straßenlage haben. Wovon man nichts mitbekommt, wenn das Auto nur rumsteht“. Schauen wir uns also die Autos genauer an. Es ist alles da: Kindchenschema, Autos die mit großen Augen lächeln, schwellende Formen. Ein Spiel mit Sexualität zwischen männlichem und weiblichem Formenkanon, der goldene Schnitt.  Die Designer wussten genau (na ja – nicht alle) was sie tun: Proportionen und ästhetische Prinzipien spielen die gleiche Rolle wie in der Kunst“. 

Deshalb präsentiert der Kunstpalast in Düsseldorf erstmals in einem Kunstmuseum von September 2018 bis Februar 2019  automobile Kunstwerke unter dem Titel „PS: Ich liebe Dich. Sportwagen-Design der 1950er bis 1970er Jahre“  Und auch eine der weltweit bedeutendsten Kunstmessen, die Art Basel hat jetzt einen Auto-ableger gegründet, die Grand Basel fand erstmals im September 2018 statt. Die weiteren Standorte der Grand Basel befinden sich vom 22. Bis 24. Februar in Miami Beach / USA und zu einem noch festzulegenden Termin im nächsten Jahr in Hong Kong / China. 

Mit ihren drei Standorten ist die Grand Basel die weltweit erste und einzige Kunstmesse, die das Automobil in Kontexten von Kunst, Design, Architektur und Lifestyle präsentiert. Grand Basel spricht mit einem internationalen Publikum von Kennern, Sammlern und Enthusiasten, das „Exzellenz in Bewegung“ feiert. Die Show-Struktur bedeutet, dass außergewöhnliche Autos in "Rahmen" gezeigt werden um diese Autos als die Meisterwerke zu ehren, die sie sind.

Der eingangs zitierte Kunst-Kurator Felix Krämer beschreibt die derzeit polarisierende Situation des Automobils in Gesellschaft und Politik, die sich erstmals an einem Scheidepunkt befindet. Dieselaffäre hier, Share Economy da. Es stellt sich dabei die Frage, warum die Sehn-sucht nach „Blech mit Seele“ ausgerechnet in einer Zeit zunimmt in der Autos ihre Sinnlich-keit verlieren, weil sie irgendwann nur noch mit einer Batterie und dann auch noch autonom fahrend unterwegs sind. Aber genau das ist eben kein Widerspruch, sondern viel mehr der ganz entscheidende Grund für die stetig wachsende Liebe zum klassischen Automobil.  

Und dabei vergleicht er das Phänomen automobiler Klassiker mit jener der mechanischen Uhren. Eigentlich braucht die im Zeitalter von Smartphones kein Mensch mehr. Aber Auto-mobile sind wie Uhren nach wie vor auch Statussymbole, da geht es eben um Geschichte, zeitlos geschaffene Werte und Leidenschaft. Darüber hinaus geht es bei dabei aber auch, so wie eingangs dargestellt, um fahrbare Skulpturen die, nachdem deren kulturell gestalter-ischer Wert lange Zeit nicht angemessen gewürdigt wurde, nun definitiv im Bereich der Bildenden Kunst angekommen sind. 

Nach der Anerkennung (klassischer) Automobile durch die UNESCO zum Weltkulturerbe im Jahr 2015 ist deren Zuordnung zur Bildenden Kunst der zweite Ritterschlag für die großen automobilen Kreationen und der Menschen die sie geschaffen haben. 

Eine bemerkenswerte Entwicklung in einer Zeit, in der mitunter zwiespältig über die Zukunft des Marktes klassischer Automobile gesprochen wird. 

 

Claus-Henning Guthard