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Benzingespräche

125 Jahre Motorsport - Wie alles anfing

Am 22. Juli dieses Jahres blicken wir auf 125 Jahre Motorsport zurück. Es war Sonntag der 22. Juli 1894, als die erste „automobile Wettfahrt“ der Geschichte von Paris nach Rouen stattfand.

Das Automobil, geboren nahezu zeitgleich in Mannheim und Stuttgart Bad Cannstatt, war gerade einmal 8 Jahre jung, also noch im zarten Knabenalter, als der Chefredakteur des Pariser "Petit Journal" Piere Giffard auf die Idee kam einen „Concours für Automobile“ zu veranstalten.

Und die Resonanz auf die Ausschreibung war größer als er vermutet hatte: eine beachtliche Zahl von 102 Automobilisten bewarben sich um eine Teilnahme an dem Wettbewerb mit zum Teil abenteuerlichsten Konstruktionen nach der Art von Walt Disneys Daniel Düsentrieb. Neben den gemeldeten Autos mit Benzin-, Elektro- und  Dampfantrieb bewarben sich Tüftler mit Hydraulik und Pressluft betriebenen Gefährten oder noch "genialer", mit solchen die durch Schwerkraft, komprimierte Gasgemische, Federmechanismen, Pendeltechnik oder schlicht mit dem Gewicht der Passagiere angetrieben werden sollten!

Doch die technische Abnahme war sehr streng und nur ein Bruchteil dieser bislang jegliche Phantasie übertreffenden Automobil-Konstruktionen wurde letztendlich von der Commission Concours für den Wettbewerb zugelassen. Und so standen in Paris am Sonntag den 22. Juli 1894 beim weltweit ersten automobilen Wettbewerb 21 Fahrzeuge ohne Pferd am Start. Eine Strecke von immerhin 126 km musste inklusive einer mittäglichen Pause von 90 Minuten für einen angemessenen Lunch, in einer Sollzeit von 12 Stunden absolviert werden.

Tausende Schaulustige waren herbeigeströmt um das große Start-Spektakel in Paris möglichst hautnah zu erleben. Und um 8.00 Uhr war es dann endlich soweit: Die Starterflagge ging hoch und das erste Gefährt, ein monströser Dampfwagen des Franzosen Albert Jules Graf de Dion, setzt sich fauchend und in weißem Dampf gehüllt in Bewegung. Der Concours verlief zunächst bis auf einen gestrandeten Dampfomnibus der wegen eines geplatzten Kesselrohres frühzeitig schlapp machte, erstaunlich reibungslos.

Doch dann bekamen verschiedene Teilnehmer größere Schwierigkeiten. Auf einem mit frischem Schotter aufgefüllten Steckenabschnitt fuhren sich einige Fahrzeuge fest. Herbeigeeilte Zuschauer befreiten mit großem Einsatz immer wieder schiebend und zerrend die jeweils gestrandeten Fahrzeuge. Nach gut einem Drittel der Strecke war nun erst einmal Pause und man genoss im Städtchen Mantes nach harter Anstrengung im besten Haus am Platz ein vorzügliches Diner nach bester Cuisine á la francaise.

Danach ging es weiter und man nahm heroisch den zweiten Teil des Concours in Angriff. 20 Fahrzeuge waren immerhin noch dabei und es führte, entgegen allen Prophezeiungen Graf de Dion mit seinem dampfgetriebenen 2 Tonnen Koloss. Vor allem auch Dank der Hilfe der die Straßen säumenden Zuschauer und deren immer wieder zupackender Unterstützung schafften am Ende 17 (!) von 21 Teilnehmern wenn auch zum Teil erheblich unter der vorgegebenen Sollzeit den Zieleinlauf unter dem Jubel und den Hochrufen begeisterter Menschen in Rouen. Trotz eines erneuten Umwegs durch einen Acker hatte Graf de Dion mit seinem Dampfmobil das Ziel als erster erreicht. Er schaffte die 126 km in rasanten 6 Stunden und 48 Minuten!

Aber trotzdem ging der korpulente Graf nicht als der erste Sieger in die Motorsport-Geschichte ein. Als Begründung der Jury wurde bekannt gegeben, dass sein über zwei Tonnen schweres  und äußerst kompliziertes Dampfmobil von zwei Personen bedient werden müsse und zudem im Unterhalt erheblich kostspieliger sei als ein mit Benzin angetriebenes Automobil. Eine Entscheidung, die der Graf natürlich absolut nicht respektieren konnte und äußerst ungehalten, oder besser gesagt stinksauer war.

Die Nächstplatzierten rückten also jeweils einen Platz vor und so wurde die Sieger-Prämie in Höhe von 5.000 Goldfranken einem Panhard & Levasor zugesprochen, den zweiten bis vierten  Platz erreichten Fahrzeuge der Marke Peugeot.

Vive la France!

Für die als Zuschauer angereisten Gottlieb Daimler und seinen Sohn Paul war jedoch der 22. Juli 1894 ein großer Jubeltag: Nicht nur alle vier bestplatzierten, sondern fünf weitere mit Benzin getriebene Wagen waren mit einem in Lizenz gebauten Daimler-Motor versehen!

Es lebe die deutsch-französische Freundschaft!

Der 23. Juli 1894 war, wenn auch noch kein Rennen im eigentlichen Sinn, so doch der klar zu definierende Beginn von heute 125 Jahren Motorsport. Und für die Marke Mercedes und ab 1924 Mercedes-Benz eine 125 Jahre währende Erfolgsgeschichte auf deren Fortsetzung wir weiterhin sehr gespannt sind!